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Hans

– Die Gitarre aus Theresienstadt
  • Bild: Jüdisches Museum München, JM 141/2015, Foto: Franz Kimmel





2015 erhielt das Jüdische Museum München eine Gitarre als Schenkung, die sich bei näherer Betrach­tung als ganz besonderes Objekt entpuppte. Sie wurde während der Schoa vom Architekten Hanuš Smetana in Theresienstadt heimlich aus Holzresten gebaut, die er im Getto finden konnte. Mehr als 30 Unter­schriften anderer Häftlinge sowie ein Brief, aus der Perspektive der Gitarre geschrieben, zeugen von ihrer Bedeutung für die Kultur­szene, die auch in Theresienstadt ihren Weg fand.





Die Gitarre Hans erzählt über sich selbst...

Ich bin die erste Guitarre, die im Ghetto Theresien­stadt gezeugt wurde. Ich heisse [!] „Hans“ wie mein Herr und Erzeuger. Am 26. Febr. 1943 bin ich geboren worden und sah nach 56 Stunden Arbeit das Licht des Ghettos und gab den ersten Ton von mir, der aber noch nicht sehr rein war.

Ich bin aus merkwürdigen Dingen gebaut worden, bitte, ich schäme mich nicht und werde jetzt genau erzählen, woraus ich bin: Meine Vorder- und Rückseite sind zwei Sperr­platten aus Buche, die einst eine Kastenfüllung waren. Meine schönen, schlanken Hüften und meine Lenden sind aus einem Sperr­platten-Abfall, der einst verstaubt hinter einer Hobel­bank stand. Mein schlanker Hals ist aus dem Abfallholz der hiesigen Holzsohlen-Erzeugung. Die Wirbel und Knöpfe sind aus Lindenholz, das einst ein Teil eines Wasch­troges war. Die Metall­teile sind Abfälle aus der Instalations­werkstätte[!], die schon am Kehrrichthaufen lagen. Der Knopf, an welchem das Band befestigt wird, ist ein Teil einer Zwischen­spule. Alles andere Holz stammt von einem Margarine­kästchen, das leider schon ausgedient hatte. Gebeizt bin ich mit Hippermann-saurem Kali, welches mein Herr zum gurgeln [!] hatte, hoffentlich bekommt er jetzt keine Hals­schmerzen, denn alles Kali ist verbraucht. Poliert bin ich mit Franzbranntwein und Schellak[!]-Ersatz, die Ränder sind geschweißt und die schwarze Färbung ist Tusch. Mein Kleid war einst ein Leintuch, die Schnur ist geflochten worden, denn ich bin gesund und schwer und 4 Schnüre können mich erst tragen. Die eisernen Schrauben waren einst wirkliche Eisen­schrauben, darauf bin ich stolz. So bin ich entstanden, ja liebe Menschen, ich hoffe recht lange gesund zu bleiben und Euch allen recht viel Freude zu bereiten. Meinem Herrn und Erzeuger will ich treu dienen und dankbar sein, dass ich lebe.

„Hans“

die Guitarre

Theresienstadt, 24. II. 1943

  • Bild: Jüdisches Museum München, JM 141/2015, Foto: Franz Kimmel

Diese Gitarre wurde also im Getto Theresienstadt gebaut und nach ihrem Erzeuger „Hans“ benannt. Aber was wissen wir sonst noch? Wer war ihr Erbauer? Wem gehörte das Instrument?

Üblicherweise begutachtet man in der Provenienzforschung die Rückseiten von Bildern und Objekten. Häufig verstecken sich dort Signaturen und allerlei Hinweise, die auf die Herkunft eines Gegenstands schließen lassen.

Hans zeigt auf der Vorderseite seines Körpers viele mehr oder weniger gut leserliche Unter­schriften. Und was verbirgt sich auf der Rückseite?

Die Inschrift zeigt, dass die Gitarre von dem Architekten Hanuš Smetana hergestellt wurde. Neben seinem Namen sind seine Transport­nummer, das Datum und der Ort, an dem die Gitarre hergestellt wurde, angegeben.

  • Bild: Jüdisches Museum München, JM 141/2015, Foto: Franz Kimmel

Hanuš Smetana



  • Bild: Národní archiv (National Archives), NA, PŘ II, 1941 – 1950, sign. S 3486/3, box 10481.

Hanuš Smetana ca. 1939



Familie

Hanuš Smetana wurde am 20. August 1899 in Mährisch Ostrau (heute Ostrava) als Sohn von Eduard Smetana und Eliška, geb. Černíková, geboren. Er hatte zwei Brüder: Kurt und Bedřich Fritz.



Studium

1920 ging Smetana nach Brünn, um an der Deutschen Technischen Hochschule Architektur zu studieren.



Heirat

Vermutlich während seiner Zeit in Brünn lernte er seine künftige Frau Melita Willheim kennen, die aus dieser Stadt stammte. Das Paar heiratete 1931 in Opava und zog zusammen nach Mährisch Ostrau.



Geschäft

Zurück in Mährisch Ostrau eröffnete Smetana zusammen mit seinem Geschäftspartner, dem Polsterer Metoděj Vrána, ein Möbel­geschäft in zentraler Lage am Neuen Rathaus.

Verfolgung

1933 Aufstieg der National­sozialisten in Deutschland

1938 Unterzeichnung des Münchner Abkommens und Annexion des Sudetenlandes durch NS-Deutschland

  • Bild: Národní archiv (National Archives), NA, PŘ II, 1941 – 1950, sign. S 3486/3, box 10481.

Smetanas Reisepassantrag von 1939

1939 Einmarsch der deutschen Truppen und teilweise Annexion der übrigen tschechischen Gebiete, die gemeinsam zum „Protektorat Böhmen und Mähren“ erklärt wurden (zu dem auch Mährisch Ostrau gehörte).

Nach dem deutschen Einmarsch wurden Jüdinnen und Juden in den besetzten Gebieten zunehmend ausgegrenzt und diskriminiert. Es gab zahl­reiche antijüdische Ausschreitungen. Wie überall im Deutschen Reichen wurden Berufs­verbote erlassen. Auch Smetana musste sein Geschäft schließen. Wie viele andere Verfolgte zog er mit seiner Frau nach Prag, um ein Auslands­visum zu beantragen, jedoch ohne Erfolg.

1941 Beginn der Deportationen von Prag in das Getto Theresienstadt.

1942 Hanuš und Melita Smetana wurden gemeinsam nach Theresienstadt deportiert.

Getto Theresienstadt

Im Getto engagierte sich Smetana in der Kulturszene. Er schrieb humorvolle Gedichte, von denen einige überliefert sind. Außerdem arbeitete er mit anderen Dichtern und Schriftstellern im Getto zusammen, darunter Walter Lindenbaum.

  • Bild: Jewish Museum in Prague
  • Bild: Jewish Museum in Prague
  • Bild: Jewish Museum in Prague

Daneben engagierte sich Smetana in der Gruppe Manes, die unter der Leitung von Philipp Manes Vorträge und Gedichtwettbewerbe in deutscher Sprache organisierte.

mehr dazu

Philipp Manes (1875–1944) war ein Kaufmann aus Berlin. Er und seine Frau Gertrud, geb. Elias, wurden 1942 zusammen nach Theresienstadt deportiert. Im Getto engagierte sich Manes sehr für das Kulturleben. Er gründete und leitete die Gruppe Manes, die regelmäßig deutsch­sprachige Vorträge, Lesungen und Aufführungen organisierte. 1944 wurden Manes und seine Frau nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Das Tage­buch, das Manes in Theresien­stadt geschrieben hat, ist heute eine wichtige Alltagsquelle zum Alltagsleben im Getto.

Auschwitz

1944 wurden Smetana und seine Frau Melita nach Auschwitz deportiert. Melita Smetana wurde kurz nach ihrer Ankunft ermordet.

1945 wurde Smetana nach Buchenwald deportiert und dort ermordet.

Auf der dicht beschriebenen Vorderseite des Gitarren­körpers lesen wir eine Reihe von Namen, verewigt als Zeugen der Entstehung von Hans. Diese Unterschriften benennen Häftlinge aus Theresienstadt. Die meisten Deportierten, die in Gettos und Konzentrationslager verschleppt wurden, wurden ermordet, ohne Spuren zu hinterlassen. Indem sie ihre Namen geschrieben haben, hofften diese Menschen vielleicht, in Erinnerung zu bleiben.

  • Bild: Jüdisches Museum München, JM 141/2015, Foto: Franz Kimmel

Klicken Sie auf die Namen, um mehr über die dahinter­stehenden Lebens­geschichten zu erfahren.



  • Bild: Jüdisches Museum München, JM 141/2015, Foto: Franz Kimmel

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Alle Biografien hier lesen

Nathan Bach, (1870 geb. in Berlin – 1944 erm. in Theresienstadt). Bach war verheiratet mit Gertrud Hoffmann. 1942 wurde das Ehepaar mittels eines Alterstransports gemeinsam nach Theresien­stadt deportiert. Bach starb 1944 in Theresienstadt. Kurz danach wurde seine Frau nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet.

Ellie von Bleichröder, (1894 geb. in Drehsa – 1989 gest. in München). Sie kam als Tochter von James von Bleichröder, dem Mitinhaber des Bank hauses S. Bleichröder, und dessen Ehefrau Harriet, geb. Alexander, zur Welt. Sie hatte zwei Brüder: Curt und Edgar. 1916 heiratete sie den Kauf mann Rudolph Alfred Herrschel, mit dem sie einen Sohn, Alfred, hatte. Das Paar ließ sich 1928 scheiden. 1937 wurde das Familien-Bankhaus arisiert und liquidiert. 1942 wurde Bleichröder nach Theresienstadt deportiert und blieb bis zur Befreiung 1945 im Getto. Ihre Brüder konnten emigrieren und überlebten, aber ihre Schwester Harriet wurde nach Riga deportiert und dort ermordet. Bleichröder kehrte nach dem Krieg nach München zurück. In den 1950er-Jahren wurde sie Gesellschafterin im Münchner Bankhaus Neuvians, Reuschel & Co.

Dr. Pavel Blum (1884 geb. in Brünn – 1944 erm. in Auschwitz). 1928 heiratete er die Buchhalterin Helena Deutsch. Ein Jahr später kam der gemeinsame Sohn Felix Herbert zur Welt. 1941 wurde die Familie nach Theresienstadt verschleppt, 1944 nach Auschwitz deportiert und kurz nach ihrer Ankunft ermordet.

Hermína Czuczková (1858 geb. in Kyjov – 1943 erm. in Theresienstadt). Es gibt nur sehr wenige Informationen über sie. 1943 wurde Czuczková nach Theresienstadt deportiert und kurz nach ihrer Ankunft ermordet.

Jakob Edelstein (1903 geb. in Horodenka – 1944 erm. in Auschwitz), Jurist und Verbandsfunktionär. 1915 floh seine Familie während eines Pogroms in Horodenka in der heutigen Ukraine nach Brünn (Brno). Edelstein studierte dort Betriebswirtschaft und zog anschließend nach Teplitz (Teplice), wo er als Verkäufer arbeitete. Gleichzeitig engagierte er sich in sozialistisch-zionistischen Organisatio­nen. 1931 heiratete er Mirjam Reisova, ein Jahr später wurde ihr Sohn Arje geboren. Die Familie zog 1933 nach Prag, wo Edelstein im Palästina-Büro der zionistischen Bewegung tätig wurde. 1937 arbeitete er für kurze Zeit in Jerusalem bei der Spenden­organisation Keren Hayesod (dt. Gründungsfonds). Obwohl Edelstein und seiner Familie die Möglichkeit zur Auswanderung nach Palästina angeboten wurde, entschied er sich, weiterhin in Prag zu bleiben. 1939 wurde Edel­stein im Rahmen des Nisko-Plans zur Umsiedlung der Juden*Jüdinnen nach Polen deportiert. Kurz danach wurde ihm jedoch die Rückkehr in seine Heimat erlaubt . Nach einer kurzen Haft im Getto Łódź wurde Edelstein 1941 in das Getto Theresienstadt deportiert und dort zum ersten Judenältesten des Gettos ernannt. Seine Familie folgte ihm 1942. Während seiner Amtszeit versuchte er, Deporta­tionen in den Osten zu verhindern, indem er unter­strich, wie wichtig die Arbeitskraft der Getto­insassen für das Kriegsgeschehen sei. Edelsteins Bemühungen scheiterten jedoch und er wurde letztlich gezwungen, selbst Häftlinge für Deporta­tionen auszuwählen. Im November 1943 wurde er schließlich beschuldigt, Häftlingen bei der Flucht geholfen zu haben, aufgrund dessen nach Auschwitz deportiert und dort mehrere Monate lang in Isolationshaft festgehalten. 1944 wurden Jakob Edelstein und seine Familie in Auschwitz ermordet. Bis heute wird Edelsteins Rolle im Judenrat von Theresienstadt kontrovers diskutiert.

Paul Eppstein (1902 geb. in Ludwigshafen am Rhein – 1944 erm. in Theresienstadt), Soziologe. Eppstein wuchs in Ludwigshafen und Mannheim auf. Er studierte Jura, Ökonomie, Politik­wissen­schaft und Soziologie an der Universität Heidel­berg und promovierte 1924 in Philosophie. Ab 1928 arbeitete er als Direktor des Mannheimer Volks­hochschul­zentrums. 1930 heiratete Eppstein Dr. Hedwig Strauss und begann in Berlin Sozio­logie zu unterrichten. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft musste er jedoch 1933 diese Tätigkeit aufgeben. Stattdessen bot ihm der Vorstand der Reichsvertretung der Deutschen Juden eine Verwaltungs­stelle an. Nach dem November­pogrom 1938 erhielt Eppstein ein Lehrangebot in England, das er jedoch ablehnte. In den folgen­den Jahren wurde er mehrmals von der Gestapo verhaftet und 1943 gemeinsam mit seiner Frau in das Getto Theresienstadt deportiert. Dort wurde er in der Nachfolge von Jakob Edelstein zum Juden­ältesten gewählt. Zu seinen Aufgaben gehörte die Erstellung der Deportations­listen. 1944 wurde Eppstein von einem SS-Wachmann erschossen. Kurz darauf wurde seine Frau nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Ing. Dr. Rudolf Freiberger (1906 geb. in Prag – 1978 gest. in Prag), Fabrikingenieur. Freiberger studierte an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag und arbeitete später als Elektroingenieur. 1935 heiratete er Anita Hermannova, 1937 wurde ihr gemeinsamer Sohn Jan geboren. Nach der deutschen Besetzung engagierte sich Freiberger in der Prager Jüdischen Gemeinde und war für die Leitung der Berufsaus­bildungskurse zuständig. 1941 gehörte er zu den ersten Häftlingen, die als Teil des Aufbaukommandos nach Theresienstadt deportiert wurden. Seine Frau und sein Sohn folgten ein Jahr später. Im Getto hatte Freiberger eine hochrangige Verwaltungsposition und war für die Produktions­abteilung verantwortlich. Er konnte diese Stelle bis zum Kriegs­ende behalten und war einer der wenigen Gettoältesten, die überlebten. Nach der Befreiung kehrte Freiberger nach Prag zurück und arbeitete in der General­direktion der Tschechoslowakischen Elektro­technischen Werke und im Forschungs­institut für Energetik. Er ließ sich 1947 scheiden und heiratete später die Kinderärztin Dr. Anna Mayerova. In der Nachkriegszeit wurde er wegen Kollaboration mit den National­sozialisten angeklagt und verhaftet, aber letztendlich für unschuldig befunden und freigelassen.

Jiří Hermann (1890 geb. in Prag – 1944 erm. in Dachau), Kaufmann. Er kam als Sohn von Adolf Hermann und dessen Ehefrau Amelia, geb. Landauerová, zur Welt. 1899 heiratete er Zdenka Turnovsky, 1923 wurde Sohn František geboren. Ab dem Ende der 1930er-Jahre versuchte die Familie auszuwandern, aber sämtliche Anträge wurden abgelehnt. 1942 erfolgte die Deportation nach Theresiestadt. Hermann und seine Frau wurden 1943 nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Ihr Sohn wurde 1944 nach Auschwitz und später nach Dachau deportiert, wo er ebenfalls ermordet wurde.

Hans Hofer (Hanuš Schulhof) (1907 geb. in Prag – 1973 gest. in Rostock), Kabarettist und Schauspieler. 1924 zog Hofer nach Wien und trat auf Kabarett­bühnen in Wien, Prag und Teplice-Šanov auf. Er heiratete die Kabarettistin und Sängerin Lisl Steinitz. Nach dem deutschen Einmarsch in Österreich 1938 kehrten Hofer und seine Frau nach Prag zurück. Dort engagierte er sich im Kabarett der jüdischen Gemeinde, bis er gemein­sam mit seiner Frau 1941 nach Theresienstadt deportiert wurde. Er gründete sein eigenes Kabaretttheater, das Hofer Kabarett, und war auch an der Philip-Manes-Gruppe beteiligt. 1944 wurde Hofer von seiner Frau getrennt und nach Auschwitz deportiert. Kurz darauf kam er nach Dachau, wo er bis zur Befreiung Zwangsarbeit im Außenlager Kaufering leisten musste. Auch Hofers Frau überlebte und nach Kriegsende kehrten beide nach Prag zurück, wo Hofer an verschiedenen Theatern arbeitete. 1960 zog das Paar nach Rostock, wo Hofer am Volkstheater tätig war.

Robert „Bobby“ John (1905 geb. in Wien – 1966 gest. in Bensberg), Kabarettist. Über sein Leben vor der Schoa ist nur wenig bekannt. Robert John war Kabarettist an verschiedenen Kleinkunstbühnen in Wien, verheiratet mit Elisabeth Goller. 1942 wurde er von dort nach Theresien­stadt deportiert. Im Getto beteiligte er sich an künstlerischen Veranstal­tun­gen wie etwa dem Hofer-Kabarett des Schau­spielers und Kabarettisten Hans Hofer (Hanuš Schulhof), ehe erzunächst nach Auschwitz und dann nach Dachau verlegt wurde, wo er Zwangs­arbeit im Außenlager Kaufering leisten musste. Nach seiner Befreiung ließ er sich in München nieder und gründete gemeinsam mit Viktor Hahn, ebenfalls ein Überlebender der Schoa, eine Kleinkunst­bühne, wo er auch selbst auftrat. Im Jahr 1958 zog John nach Köln.

Franz Khan (1895 geb. in Pilsen – 1944 erm. in Auschwitz), Verbands­funktionär. Schon in seiner Jugend engagierte sich Khan in der zionistischen Bewegung Tchelet-Lavan (dt. Blau-Weiß), später studierte er Jura. Nach seinem Studium kämpfte er im Ersten Weltkrieg und wurde schwer verletzt. 1921 zog Khan nach Märisch Ostrau (heute Moravská Ostrava). Dort arbeitete er als General­sekretär der zionistischen Organisationen der Tschechoslowakei. Er heiratete Olga Friedler, der gemeinsame Sohn Rafael wurde 1926 geboren. Nach der deutschen Besetzung 1939 engagierte sich Khan für die Gründung des Alijat Hanoar Instituts (dt. Jugend-Alija), das Jugendlichen bei der Auswanderung nach Palästina half. 1939 emigrierte sein Sohn nach England. Khan und seine Frau zogen nach Prag. Das Ehepaar versuchte ebenfalls auszu­wandern, aber ohne Erfolg. 1943 wurden sie nach Theresienstadt deportiert. Im Getto wurde Khan eine Leitungs­position im Ältestenrat und in der Selbst­verwal­tung angeboten. Er lehnte jedoch ab, da er nicht an der Erstellung der Deportations­listen teilhaben wollte. Stattdessen nahm er die Position des Leiters der Vortragsreihe in der Kulturabteilung an und organisierte zahlreiche Vorträge zu jüdischen und zionistischen Themen. 1944 wurden Franz und Olga Khan nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Franz Eugen Klein (1912 geb. in Wien – 1944 erm. in Auschwitz), Dirigent, Komponist, Pianist. Klein heiratete die Sprachlehrerin Susanne Keller. Ab 1932 arbeitete er als Dirigent und Komponist an der Kleinkunstbühne Der Liebe Augustin, am Theater in der Josefstadt, am Alt-Wiener Volks­theater, bei den Wiener Kammerspielen und an der Volksoper Wien. Nach der deutschen Besetzung 1938 flohen Klein und seine Frau nach Frankreich, wurden dort jedoch gefasst und in das Lager Meslay-du-Maine verschleppt. 1942 erfolgte die Deportation nach Theresienstadt. Dort war Klein an der Organisation von musikalischen Aktivitäten und Aufführungen beteiligt. Er gründete ein Ensemble aus österreichischen, deutschen und tschechischen Sängern und komponierte eigene Werke. 1944 wurden Franz Eugen und Susanne Klein nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Robert Kuntz (1904 geb. in Wien – 1944 erm. in Auschwitz). Kuntz lebte in Prag und wurde 1942 von dort nach Theresienstadt deportiert. 1944 wurde er nach Auschwitz verschleppt und ermordet.

Egon Ledeč (1889 geb. in Kostelec nad Orlicí – 1944 erm. in Auschwitz), Geiger und Komponist. Ledeč studierte Violine am Prager Konserva­to­rium und spielte danach im Orchester des Slowakischen Nationaltheaters. 1926 trat er der Tschechischen Philharmonie bei und bereiste ganz Europa. Zu dieser Zeit begann er, sich für das Komponieren zu interessieren. Aller­dings verlor Ledeč nach dem deutschen Einmarsch 1939 und den neuen Berufs­beschrän­kungen für Jüdinnen und Juden seine Stelle in der Philhar­monie. 1941 wurde Ledeč zusammen mit seiner Frau Anna Ledeč, geb. Friedmann, nach Theresienstadt deportiert. Dort initiierte er zahl­reiche musika­lische Veran­staltun­gen und half bei der Gründung des ersten Kammerensembles in Theresienstadt, das wöchent­liche Aufführungen organisierte. Später gründete er das Ledeč Quartett, außerdem beschäftigte er sich weiterhin mit seinen musika­lischen Kompositionen. 1944 wurde Ledeč zusammen mit seiner Frau nach Auschwitz deportiert und kurz nach seiner Ankunft ermordet.

Walter Lindenbaum (1907 geb. in Wien – 1945 erm. in Buchenwald), Journalist. Vor dem Krieg war Lindenbaum für die Wiener sozial­demo­kratische Presse tätig und schrieb Gedichte über das Proletariat. Nach dem Macht­übergabe an die Nationalsozialisten im Januar 1933 engagierte er sich in der Wiener Vereinigung sozialistischer Schriftsteller, die das neue Regime öffentlich bekämpfte und zu unter­minieren versuchte. Im selben Jahr heiratete er Rachel Liebling. 1938 kam ihre gemeinsame Tochter Ruth zur Welt. 1943 wurde die Familie nach Theresien­stadt deportiert. Dort war Lindenbaum in der Kultur­szene aktiv und schrieb auch mehrere Lieder. Nur ein Jahr später wurden Rachel und Ruth Lindenbaum nach Auschwitz deportiert und ermordet. Walter Lindenbaum folgte kurz darauf, wurde von Auschwitz weiter nach Buchenwald deportier und dort 1945 ermordet.

Benjamin Murmelstein (geb. 1905 in Lwiw – gest. 1989 in Rom), Rabbiner. Murmelstein wuchs in einer orthodoxen jüdischen Familie auf. Er studierte Philosophie und semiti­sche Sprachen an der Universität Wien und absol­vierte eine Rabbinerausbildung an der Israelitisch Theologischen Lehr­anstalt. Ab 1931 war er Rabbiner der IKG Wien und lehrte jüdische Geschichte an der Universität. Später wurde Murmelstein Vorstands­mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. 1933 heirate­te er Margit Geyer, 1936 wurde ihr gemein­samer Sohn Wolf geboren. Nach der deutschen Beset­zung 1938 lösten die Nationalsozialisten die Kultus­gemeinde auf, ließen aber stattdessen eine Jüdische Gemeinde Wien bestehen, um die Emigra­tion zuvor enteigneter Personen zu koordi­nieren. Murmelstein war dort als Leiter der Auswander­ungs­abteilung unter anderem für die Erstel­lung von Berichten über die jüdische Gemeinde zuständig, die später Adolf Eichmann vorgelegt wurden. Außerdem wurde er als Mitglied des Judenrats in Wien eingesetzt. 1943 wurden Murmel­stein und seine Familie nach Theresien­stadt deportiert. Im Getto folgte er Jakob Edelstein und Paul Eppstein als Juden­ältester und blieb bis zur Befreiung des Gettos 1945 in dieser Position. Kurz danach verhaftete ihn die tschecho­slowakische Regierung wegen des Verdachts der Kollabora­tion mit den National­sozialisten. 1946 wurde das Verfahren eingestellt und er erhielt die Erlaubnis, das Land zu verlassen. Gemeinsam mit seiner Familie zog er nach Rom. Doch auch dort wurde Murmelstein mit seiner Vergangenheit konfrontiert und musste 1948 vor dem Ehrengericht der in Italien organisierten jüdischen DPs seine Handlungen als Judenältester in Theresienstadt rechtfertigen. Um seinen Ruf zu retten und seine Sicht der Dinge darzu­stellen, betonte er in Interviews immer wieder, dass er während der NS-Zeit dazu gezwun­gen war, in unmöglichen Situationen schwierige Entscheidungen zu treffen. Er veröffent­lichte seine Memoiren und meldete sich als Zeuge im Eichmann-Prozess, ohne Gehör zu finden. Trotz aller Versuche gelang es Murmel­stein nicht, sich zu rehabilitieren. Er blieb von der jüdischen Gemeinschaft ausgeschlossen und gilt bis heute als ambivalente Figur.

Ernst Östreicher (1889 geb. in Brünn – 1944 erm. in Auschwitz), Schauspieler, Theaterregisseur, Schriftsteller. Zu Beginn seiner Karriere war Östreicher am Theater in Bonn und Olmütz tätig. 1916 heiratete er die Schauspielerin Paula Kohn. Drei Jahre später zog das Paar nach Wien. Ab 1921 war Östreicher als Theaterregisseur am Renassiance Theater tätig und von 1934 bis 1937 Vorstands­mitglied und Schatzmeister des öster­reichischen Bund der Bühnen­vorstände. Nach der deutschen Besetzung 1938 musste Östreicher diese Funktionen aufgeben. 1942 wurden er und seine Frau nach Theresienstadt deportiert und dort in einer Verwaltungs­stelle eingesetzt. 1944 wurden beide nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Dr. Erich Roubiček (Robitschek) (1910 geb. in Prag – 1944 erm. in Auschwitz), Jurist. Roubiček wuchs in Prag als Sohn des Unter­nehmers Emil Roubiček und dessen Ehefrau Gertruda, geb. Kolischova, auf. Er studierte Jura an der Karlsuniversität Prag und promovierte 1932. Roubiček wurde 1941 mit einer der ersten Deportationen nach Theresien­stadt verschleppt, seine Eltern folgten ein Jahr später. 1943 wurde Roubiček nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. 1944 erlitten seine Eltern dasselbe Schicksal. Nur Roubičeks kleine Schwester Edita überlebte.

Dr. Valtr Schallinger (1898 geb. in Ivančice – 1944 erm. in Auschwitz), Arzt. Schallinger kam als Sohn des Kaufmanns Alois Schallinger und dessen Ehefrau Paula, geb. Reich, zur Welt. Sein jüngerer Bruder Dr. Gustav Schallinger wurde 1942 nach Majdanek deportiert und dort ermordet. Im selben Jahr wurden Schallinger und seine Eltern von Brünn nach Theresienstadt verschleppt. wo seine Eltern ermordet wurden. Schallinger selbst kam 1944 nach Auschwitz und wurde dort ermordet.

Ida Franziska Schneidhuber (1892 geb. in München – 1978 gest. in München). Sie war die Tochter des Handelsrats Franz Wassermann, dem Gründer der Milly-Kerzen­fabrik. Sie heiratete den Politiker und Münchner Polizeichef August Schneidhuber. Das Ehepaar hatte zwei Töchter, Elizabeth und Marianne. 1934 wurde Schneidhubers Mann während des Röhm-Putsches erschossen. 1942 wurde Schneidhuber gemeinsam mit ihrer Mutter nach Theresienstadt deportiert. Beide blieben bis zum Kriegsende in Theresienstadt und kehrten nach ihrer Befreiung nach München zurück.

Leopold Schwimmer (1912 geb. in Prag – 1943 erm. in Schwarzheide). Schwimmer wurde 1941 nach Theresienstadt verschleppt und von dort 1943 nach Auschwitz deportiert. 1944 wurde er in das Außenlager Schwarzheide in Sachsenhausen deportiert und dort ermordet.

Emil Spitz (1903 geb. in Velká nad Veličkou – 1943 erm. in Auschwitz). Es gibt kaum Informationen über sein Leben vor der Schoa. In den 1940er-Jahren versammelten die Nationalsozialisten die jüdische Bevölkerung der Region, in der Spitz lebte, in Uherský Brod. Von dort begannen 1943 die Deportationen nach Theresienstadt. Auch Spitz wurde verschleppt. Wenige Monate nach seiner Ankunft in Theresien­stadt wurde er nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Karel Švenk (1917 geb. in Prag – 1945 gest. auf dem Weg nach Mauthausen), Kabarettist, Komponist, Schriftsteller. Vor dem Krieg war Švenk Mitglied der Prager Avantgarde-Gruppe Klub zapadlých talentů (dt. Klub der ungenützten Talente) und trat häufig bei politisch linken Veranstaltungen auf. 1941 wurde er im Rahmen der ersten Deportationen nach Theresienstadt verschleppt. Dort entwickelte er sich schnell zu einer Leitfigur des kulturellen Lebens im Getto. Er produzierte mehrere humo­ristische Theaterstücke und veranstaltete regel­mäßig Kabarettabende. Von seinen Werken sind jedoch nur wenige überliefert. Im Oktober 1944 wurde Švenk nach Auschwitz deportiert und einen Monat später zur Zwangsarbeit in eine Fabrik in der Nähe von Leipzig verschleppt. 1945 erfolgte die Deportation in das Konzentrations­lager Mauthausen, Švenk starb während des Transports. Seine Eltern und drei Geschwister wurden in Auschwitz ermordet, nur seine jüngste Schwester Ottilie konnte in die USA fliehen und überlebte.

Emil Utitz (1883 geb. in Rostock – 1956 gest. in Jena), Philosoph und Psychologe. Von 1901 bis 1906 studierte Utitz Jura, Philo­sophie, Psychologie, Archäologie und Kunst­geschichte in München, Leipzig und Prag und schrieb in seiner Freizeit Gedichte. Er heiratete Ottilie Schwarz­kopf. Ab 1919 unterrichtete Utitz Psychologie an der Universität Rostock, zwischen 1925 und 1933 war er Professor für Philosophie an der Universität Halle-Wittenberg. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde er 1933 suspen­diert und in den unbezahlten Ruhestand versetzt. In der Folge zogen Utitz und seine Frau nach Prag, wo er an der Karl-Ferdinands-Universität Philo­sophie lehrte. 1942 wurde das Ehepaar nach Theresien­stadt deportiert. Dort arbeitete Utitz als Leiter der Getto-Bibliothek, organisierte Gedicht­wettbewerbe und hielt Vorträge. Nach ihrer Befreiung kehrten Utitz und seine Frau nach Prag zurück, wo er seine Lehrtätigkeit an der Universität wieder aufnahm.

Ernst Weissbrod (1903 geb. in Mährisch Weisskirchen – 1945 erm. in Dachau). Er kam als Sohn von Max Weissbrod und dessen Ehefrau Terezia, geb. Neumannova, zur Welt. Nach dem deutschen Einmarsch 1939 versuchte er auszuwandern, jedoch ohne Erfolg. 1941 wurde er nach Theresienstadt verschleppt und 1944 nach Auschwitz deportiert. Kurz darauf wurde er weiter nach Dachau deportiert, wo er 1945 ermordet wurde.

Rudolf Weissenstein (1912 geb. in Prag – 1945 erm. in Dachau), Handelsvertreter. Er kam als Sohn von Arnošt Weissenstein und dessen Ehefrau Eleonora, geb. Meisterles, zur Welt. Seine Emigrationsversuche scheiterten und 1941 wurde er nach Theresienstadt deportiert. Seine Eltern wurden 1942 ebenfalls dorthin verschleppt. 1944 wurde Weissen­stein nach Auschwitz deportiert und von dort nach Dachau, wo er ermordet wurde. Niemand aus seiner Familie überlebte.

Kurt Weisz (1894 geb. in Prag – 1944 erm. in Auschwitz), Sänger und Schauspieler. Seine Versuche, nach dem deutschen Einmarsch in Prag 1939 in die USA auszuwandern, scheiter­ten, und 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert. Im Getto engagierte sich Weisz in der Kultur­szene und trat in zahlreichen Theater­stücken auf. 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Otto Zucker (1892 geb. in Prag – 1944 erm. in Auschwitz), Architekt, Bauingenieur, Politiker. Zucker war ein engagierter Zionist und arbeitete als stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Partei in der Tschecho­slowakei. Ab 1941 über­nahm er eine führende Verwaltungsfunktion in der Jüdischen Gemeinde Prag. Neben seinen beruflichen Aktivitäten war Zucker ein begabter Geiger. Ende 1941 wurde er nach Theresienstadt deportiert. Dort arbeitete er in der Selbst­verwal­tung des Gettos und war zeitweise auch für das zentrale Sekretariat zuständig. Ab 1943 war Zucker Leiter der Freizeitabteilung. 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Aus den Biografien geht hervor, dass die meisten der Unter­zeich­nenden in der Kulturszene des Gettos Theresienstadt aktiv waren. Durch ihre künstler­ischen Engagements versuchten sie sich, angesichts der extremen Um­stände, unter denen sie leben mussten, ein Stück Normalität zu bewahren. Nicht alle Namen auf der Gitarre konnten entziffert und identifiziert werden.

Eine der Unterschriften auf der Gitarre stammt von der Münchner­in Franziska Schneidhuber. Nach ihrer Befreiung kehrte sie nach München zurück. Sie nahm die Gitarre Hans mit und bewahrte sie so vor dem Vergessen. Nach Franziska Schneidhubers Tod wurde die Gitarre dem Jüdischen Museum München geschenkt.



  • Bild: Jüdisches Museum München, Foto: Eva Jünger

Die Gitarre Hans in der Ausstellung „Die Dritte Generation. Der Holocaust im familiären Gedächtnis“ im Jüdischen Museum München, 2025

Impressum

Digitales Storytelling im Rahmen der Ausstellung „Die Dritte Generation. Der Holocaust im familiären Gedächtnis“ (9. April 2025 – 1. März 2026) im Jüdischen Museum München.



Text und Recherche

Yuval Schneider



Digitales Storytelling

Lara Theobalt



Lektorat

Lilian Harlander-Pichler



Besonderer Dank an

Archiv města Ostravy (Archiv der Stadt Ostrava)

Státní oblastní archiv v Plzni (Staatliches Regionalarchiv Pilsen)

Beit Theresienstadt Museum

Památník Terezín (Gedenkstätte Theresienstadt)

Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau

Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau



Herausgeber

Jüdisches Museum München St.-Jakobs-Platz 16 80331 München www.juedisches-museum-muenchen.de social-juedisches-museum(at)muenchen.de